{"id":1048,"date":"2016-02-05T18:06:43","date_gmt":"2016-02-05T16:06:43","guid":{"rendered":"http:\/\/bi-wollenberg.org\/?p=1048"},"modified":"2026-03-20T08:37:50","modified_gmt":"2026-03-20T07:37:50","slug":"naturschutzverbaende-stellen-kernflaechen-im-wollenberg-zur-disposition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/2016\/02\/05\/naturschutzverbaende-stellen-kernflaechen-im-wollenberg-zur-disposition\/","title":{"rendered":"Naturschutzverb\u00e4nde stellen Kernfl\u00e4chen im Wollenberg zur Disposition"},"content":{"rendered":"<p>Die Hessische Landesregierung plant, im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt acht Prozent der Staatswaldfl\u00e4chen aus der wirtschaftlichen Nutzung herauszunehmen. Im Bereich Wollenberg hat dazu das Forstamt Burgwald im April 2015 ein Konzept unterbreitet, das vorsieht, dort eine <a href=\"https:\/\/bi-wollenberg.de\/?p=899\">Erweiterung der Naturschutz-Kernfl\u00e4chen um 80\u00a0ha auf 84,5\u00a0ha<\/a> (Kernfl\u00e4chenvorschlag Nr. 150) vorzunehmen. Nun wird dieses Konzept von den gro\u00dfen Naturschutzverb\u00e4nden Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF), Nabu Hessen, BUND Hessen, Greenpeace und World Wildlife Fund (WWF) zur Disposition gestellt.<\/p>\n<p>In einem gemeinsamen \u2013 bislang unver\u00f6ffentlichten, uns vorliegenden \u2013 Vorschlag von Oktober 2015 fordern sie, allein gro\u00dffl\u00e4chige Waldgebiete mit einer Mindestgr\u00f6\u00dfe von 300\u00a0ha zur Erweiterung der Naturschutzkernfl\u00e4chen heranzuziehen. Von den Verb\u00e4nden ausgew\u00e4hlt wurden 14 Waldgebiete, davon zwei mit einer Gr\u00f6\u00dfe von \u00fcber 1.000\u00a0ha und sieben Gebiete mit Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfen von mehr als 500\u00a0ha. Gemeinsam ist diesen Waldgebieten, dass sie \u00fcber einen FFH-Status und \u00fcber bedeutsame Altbuchenbest\u00e4nde verf\u00fcgen. Kriterien demnach, die ebenso auf das FFH-Gebiet \u201eLahnh\u00e4nge zwischen Biedenkopf und Marburg\u201c (<a href=\"http:\/\/natura2000-verordnung.hessen.de\/ffh_erhaltungsziele.php?ID=5017-305\">5017-305<\/a>) zutreffen, dem der Wollenberg zugeh\u00f6rt. Doch bleibt dieses au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>W\u00fcrde der Vorschlag umgesetzt, fiele nicht nur der Kernfl\u00e4chenvorschlag Wollenberg weg, sondern zahlreiche andere, ebenfalls von Hessen-Forst als Schutzfl\u00e4chen vorgeschlagene Areale auch. Aus diesem Grund hat sich die BI \u201eRettet den Wollenberg\u201c in einem Schreiben an die Hessische Umweltministerin Priska Hinz sowie weitere Tr\u00e4ger des beh\u00f6rdlichen Naturschutzes mit der Bitte gewandt, dem Vorschlag der Gro\u00dfverb\u00e4nde in der vorliegenden Form nicht zu folgen. Wir kritisieren den Verb\u00e4ndevorschlag aus zwei Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Erstens: Die Auswahl der Waldgebiete ist willk\u00fcrlich. Nichts spr\u00e4che beispielsweise dagegen, Teile des FFH-Gebietes 5017-305 selbst als gro\u00dffl\u00e4chiges Schutzgebiet auszuweisen. Dieses z\u00e4hlt zu den bedeutendsten gro\u00dfen FFH-Buchenw\u00e4ldern in Hessen. Mit einer Gesamtfl\u00e4che von 9.457,4\u00a0ha, davon Hainsimsem-Buchenwaldbest\u00e4nde (LRT 9110) in einer Gr\u00f6\u00dfe von 2.117\u00a0ha, den f\u00fcr die Meldung des Gebietes ausschlaggebenden FFH-Anhang-II-Arten Mopsfledermaus, Bechsteinfledermaus und Gro\u00dfes Mausohr sowie Vorkommen von sechs weiteren Fledermausarten, zwei Amphibienarten (Geburtshelferkr\u00f6te und Kreuzkr\u00f6te) und einer Reptilienart (Zauneidechse) des Anhangs IV w\u00e4re es kaum weniger pr\u00e4destiniert als jene nach dem Verb\u00e4ndekonzept vorgeschlagenen Waldgebiete.<\/p>\n<p>Zweitens: Das Verb\u00e4ndekonzept ist nicht zu Ende gedacht. Die Ausweisung von allein gro\u00dffl\u00e4chigen Waldgebieten f\u00fchrte \u2013 unter sonst gleich bleibenden Umst\u00e4nden \u2013 dazu, dass der Nutzungsdruck \u00fcberall andernorts anstiege. Das hei\u00dft, der Erhalt von biologischer Vielfalt w\u00e4re im Wesentlichen auf wenige gro\u00dfe Waldareale in Hessen beschr\u00e4nkt, alle anderen Waldgebiete w\u00fcrden zur\u00fcckgelassen und verschlechterten sich bei anhaltender forstwirtschaftlicher Nutzung im weiteren Zeitenverlauf. Das kann und sollte nicht der Sinn und Zweck einer Strategie zur Verbesserung der Biodiversit\u00e4t sein.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/bi-wollenberg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Kernflaechen-2.jpg\" alt=\"kernfl\u00e4chen\" \/><br \/>\n<strong>Karte: <\/strong>Erweiterungskonzept von Hessen-Forst im Bereich Wollenberg (Dunkelgr\u00fcn: bereits bestehende Kernfl\u00e4chen\/Rot: zus\u00e4tzlicher Kernfl\u00e4chenvorschlag Nr. 150). \u00a9 OpenStreetMap-Mitwirkende (<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.0\/\">CC BY-SA 2.0<\/a>), Daten von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.openstreetmap.org\/\">OpenStreetMap<\/a>\u00a0\u2013 Ver\u00f6ffentlicht unter\u00a0<a href=\"http:\/\/opendatacommons.org\/licenses\/odbl\/\">ODbL<\/a>.<\/p>\n<p>Bereits jetzt unterliegt der Wollenberg ganzj\u00e4hriger intensiver Forstbewirtschaftung. Daher sind das zugrunde liegende Konzept des Forstamts Burgwald und der Kernfl\u00e4chenvorschlag Nr. 150 grunds\u00e4tzlich richtig. Ausweislich der Grunddatenerhebung zum FFH-Gebiet 5017-305 umfasst das vorgeschlagene Areal \u00fcberwiegend Laubwald &gt; 160 Jahre sowie bedeutsame Jagdgebiete der Mopsfledermaus. Mit der Herausnahme von (vorwiegend) Buchen-Altbest\u00e4nden aus der forstwirtschaftlichen Nutzung w\u00fcrden zudem wichtige Habitate und Trittsteine f\u00fcr Vogelarten, wie Schwarzspecht, Hohltaube, verschiedene Eulenarten (Waldkauz, Sperlingskauz), weitere Fledermausarten des Anhangs-IV sowie zahlreiche Insekten- und Pilzarten geschaffen.<\/p>\n<p>Zudem w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, w\u00fcrde ein gr\u00f6\u00dferes Areal und mehr Fl\u00e4chen des vor Ort gesch\u00fctzten Hainsimsen-Buchenwalds (LRT 9110) aus der Nutzung genommen. In Entsprechung zur Empfehlung aus der FFH-Vertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung im Rahmen des Neubaus der B252 regen wir des Weiteren an, die Areale der drei im Wollenberg nachgewiesenen Kolonien der Bechsteinfledermaus unter Prozessschutz zu stellen. Letztere liegen alle au\u00dferhalb des Kernfl\u00e4chenvorschlags Nr. 150.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bild oben:<\/strong><br \/>\nParkender Traktor mit Raddefekt im Wollenberg. Quelle: bi-wollenberg.de\/, <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/\">CC BY-SA 3.0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hessische Landesregierung plant, im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt acht Prozent der Staatswaldfl\u00e4chen aus der wirtschaftlichen Nutzung herauszunehmen. 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