{"id":1100,"date":"2016-06-04T19:47:26","date_gmt":"2016-06-04T17:47:26","guid":{"rendered":"http:\/\/bi-wollenberg.org\/?p=1100"},"modified":"2026-03-20T08:37:50","modified_gmt":"2026-03-20T07:37:50","slug":"hochwasser-und-industrielle-forstwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/2016\/06\/04\/hochwasser-und-industrielle-forstwirtschaft\/","title":{"rendered":"Hochwasser und industrielle Forstwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>In Wetter-Oberndorf kam es am Donnerstagnachmittag zu einer pl\u00f6tzlich auftretenden Schlammwasserflut. Dies jedoch nicht in der als \u00dcberschwemmungsgebiet bekannten, tiefer und n\u00f6rdlich der Ortschaft gelegenen Treisbachaue. Vielmehr ergoss sich eine Schlammwasserlawine vom Wollenberg aus \u00fcber eine Wiese und eine Nebenstra\u00dfe bis \u00fcber die Hauptstra\u00dfe selbst. Ausl\u00f6ser war ein Starkregen, der die Hauptstra\u00dfe innerhalb weniger Minuten in einen rei\u00dfenden Fluss verwandelte und mehrere Keller und Stallungen volllaufen lie\u00df (hier Berichte aus dem <a href=\"http:\/\/www.112-magazin.de\/meldungen-aus-der-region\/polizei\/item\/18906-wetter-dauerregen-schlammwasserflut-%C3%BCberschwemmt-oberndorf\" target=\"_blank\">Hinterl\u00e4nder Anzeiger<\/a> und von <a href=\"http:\/\/hessenschau.de\/panorama\/feuerwehr-raeumt-nach-ueberschwemmung-in-oberndorf-auf,gewitter-100.html\" target=\"_blank\">hessenschau.de<\/a>).<\/p>\n<p>Zwar entw\u00e4ssert der Wollenberg naturr\u00e4umlich im Nordosten auch \u00fcber zwei Kleinstb\u00e4che via Oberndorf in den nahen Treisbach, doch normalerweise nicht in dieser Menge und Pl\u00f6tzlichkeit. Bei der Ursachenforschung sollten daher auch die Auswirkungen der industriellen Forstwirtschaft in Betracht gezogen werden. Niederschl\u00e4ge im Wald flie\u00dfen infolge von auf Schwerlastverkehre zugeschnittene Bewirtschaftungsmethoden immer \u00f6fter einfach als Oberfl\u00e4chenwasser ab, anstatt durch nat\u00fcrliches Versickern in Form der Speicherfunktion des Waldbodens gebunden zu werden. Daf\u00fcr bestehen zwei, bei l\u00e4nger anhaltenden Regenperioden und Starkregen kumulativ sich verst\u00e4rkende Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Bereits mit der (im Wollenberg schon einige Jahrzehnte zur\u00fcckliegenden) Schotterbefestigung vieler Waldwege wurden diese bergseitig mit offenen Gr\u00e4ben versehen. Diese sind in mehr oder minder regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden durchbrochen von zur Hangseite hin quer gef\u00fchrten kurzen Abflussrohren, so dass das bergseitig sich sammelnde Wasser zumindest hangseitig nicht kanalisiert wird und entsprechende Hangwassers\u00e4ulen nur gelegentlich entstehen. Dieses System wird seit einigen Jahren durch \u00fcber unbefestigte R\u00fcckewege zus\u00e4tzlich oder kumulativ abflie\u00dfendes Regen- oder Oberfl\u00e4chenwasser offenbar konterkariert.<\/p>\n<p>R\u00fcckewege bilden die Voraussetzung f\u00fcr den Einsatz von Vollerntern (Harvester) und Tragschleppern (Forwarder). Sie sind,\u00a0gerodet meist in Abst\u00e4nden von 20-30 m, immer senkrecht zum Hang anzulegen oder \u2013 hier auf der <a href=\"http:\/\/www.wald-prinz.de\/ruckegassen-anlegen-feinerschliessung-sichert-bodenschonende-holzernte\/3436\" target=\"_blank\">Website von Wald-Prinz.de<\/a> beschrieben \u2013 so \u201ewie das Wasser l\u00e4uft\u201c. Der Grund daf\u00fcr ist: Beim Befahren mit Ernte- und R\u00fcckemaschinen darf eine Querneigung von 5\u00a0% nicht \u00fcberschritten werden. Bei einer im Schnitt 4\u00a0m breiten R\u00fcckegasse sind das also gerade einmal 20\u00a0cm H\u00f6henunterschied, andernfalls besteht Kippgefahr f\u00fcr die Fahrzeuge. Zugleich verursachen diese bei hohem Eigen- und noch h\u00f6herem Lastgewicht durch gro\u00dfe Ballonreifen und zum Teil Ketten \u2013 <a href=\"https:\/\/bi-wollenberg.de\/?p=1006\" target=\"_blank\">siehe auch hier<\/a> \u2013 oft tiefe Fahrspuren, die bei Starkregen zu Bodenerosion f\u00fchren und schnell ablaufende Wasserrinnen entstehen lassen. Da im Bergwald die Forstwege vorwiegend parallel zum Hang verlaufen, werden diese nun vielfach durch unbefestigte R\u00fcckewege senkrecht dazu erg\u00e4nzt. Entsprechend kann Niederschlagswasser schneller als zuvor abflie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Bild oben:<br \/>\n<\/strong>Nat\u00fcrlicher Vorfluter nur wenige Hundert Meter oberhalb von Oberndorf am Tag nach der Schlammwasserflut. Quelle: bi-wollenberg.de\/, <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/\" target=\"_blank\">CC BY-SA 3.0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Wetter-Oberndorf kam es am Donnerstagnachmittag zu einer pl\u00f6tzlich auftretenden Schlammwasserflut. Dies jedoch nicht in der als \u00dcberschwemmungsgebiet bekannten, tiefer und n\u00f6rdlich der Ortschaft gelegenen Treisbachaue. Vielmehr ergoss sich eine Schlammwasserlawine vom Wollenberg aus \u00fcber eine Wiese und eine Nebenstra\u00dfe bis \u00fcber die Hauptstra\u00dfe selbst. 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