{"id":1371,"date":"2019-09-15T19:53:08","date_gmt":"2019-09-15T17:53:08","guid":{"rendered":"https:\/\/bi-wollenberg.org\/?p=1371"},"modified":"2026-03-20T08:37:49","modified_gmt":"2026-03-20T07:37:49","slug":"waldzustand-kein-umdenken-in-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/2019\/09\/15\/waldzustand-kein-umdenken-in-sicht\/","title":{"rendered":"Waldzustand: Kein Umdenken in Sicht"},"content":{"rendered":"\n<p>Der\nmeistgef\u00fcrchtete St\u00f6renfried des Waldes hat auch im Wollenberg zugeschlagen.\nGro\u00dfe Teile des Fichtenbestandes wurden w\u00e4hrend des hei\u00dfen Sommers vom\nBorkenk\u00e4fer befallen, mussten entsprechend entnommen werden oder harren \u2013 zu\nerkennen an welken Wipfeln und St\u00e4mmen mit abplatzender Rinde \u2013 noch ihrer\nk\u00fcnftigen F\u00e4llung. Vor Ort konkret zu besichtigen ist eine Folge des allgegenw\u00e4rtigen Klimawandels. Auf einen\nNenner gebracht, lautet dessen Formel f\u00fcr den Wald: Steigende Temperaturen im Winter\nlassen mehr Eier und Larven des Sch\u00e4dlings \u00fcberleben, zugleich wird die Lebensform Baum\ndurch zunehmende Erw\u00e4rmung geschw\u00e4cht und schwinden dessen Abwehrkr\u00e4fte\ngegen\u00fcber Angreifern.<\/p>\n\n\n\n<p><p>Doch ist das nur ein Teil des Problems, der andere Teil besteht in der Anlage von monokulturellen Nadelholzplantagen zur forstwirtschaftlichen Ertragsoptimierung. Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buchdrucker_(K%C3%A4fer)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Buchdrucker (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Buchdrucker<\/a> ist geradezu auf Fichten spezialisiert, wie es bereits sein Zweitname <em>Gro\u00dfer achtz\u00e4hniger Fichtenborkenk\u00e4fer<\/em> zum Ausdruck bringt. Entsprechend sind diese Plantagen oder Kunstgebilde aus (urspr\u00fcnglich) nicht heimischen Baumarten sehr anf\u00e4llig. Eine R\u00fcckkehr zu W\u00e4ldern urspr\u00fcnglicher Laubbaumarten, die nicht per se gegen Sch\u00e4dlinge resistent sind, aber als resilienter gelten, und die Zur\u00fcckverwandlung der allgegenw\u00e4rtigen Wirtschaftsforste in weniger anf\u00e4lligen <em>Urwald<\/em> allerdings stehen nicht in Sicht.<\/p>\n\n\n\nDas zeigt auch ein Blick auf die\naktuelle Bewirtschaftungspraxis im Bereich des Wollenbergs. Dort wurden erst\nk\u00fcrzlich vom Borkenk\u00e4fer befallene Nadelholzbest\u00e4nde entnommen und sogleich neue Nadelh\u00f6lzer\nangepflanzt: diesmal nicht Fichte, sondern Douglasie. Letztere gilt als der\nneue Wunderbaum. Die Douglasie erfreut sich vor dem Hintergrund des\nKlimawandels aus \u00f6konomisch-waldbaulichen Gr\u00fcnden wachsender Beliebtheit. Denn sie\nkommt nicht nur mit Trockenheit, vor allem w\u00e4hrend sommerlicher\nTrockenperioden, besser zurecht als die Fichte. Sie zeichnet sich zus\u00e4tzlich auch durch\nschnelle W\u00fcchsigkeit, fr\u00fche Fruktifikation sowie, bezogen auf ihren\nWasserhaushalt als auch ihren Lichtgenuss, auf ein weites Spektrum an\nStandortanspr\u00fcchen besseres Aufwuchsniveau aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch hat eine Bestockung mit Douglasie auch erhebliche Nachteile. Diese werden sich m\u00f6glicherweise erst in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten zeigen. Bislang bestehen n\u00e4mlich noch erhebliche Wissensdefizite hinsichtlich des langfristigen \u00f6kologischen Verhaltens und bezogen auf die naturschutzfachlichen Auswirkungen, etwa der Entwicklung der Lebensgemeinschaften und Artenvielfalt, unter dem Einfluss der nordamerikanischen Baumart.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Naturschutz (BfN) jedenfalls (siehe:<a href=\"https:\/\/www.bfn.de\/fileadmin\/MDB\/documents\/themen\/landwirtschaft\/lwf_wissen_59_13.pdf\"> <\/a><a href=\"https:\/\/www.bfn.de\/fileadmin\/MDB\/documents\/themen\/landwirtschaft\/lwf_wissen_59_13.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Naturschutzfachliche Bewertung der Douglasie aus Sicht des Bundesamtes f\u00fcr Naturschutz (BfN) (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Naturschutzfachliche Bewertung der Douglasie aus Sicht des Bundesamtes f\u00fcr Naturschutz (BfN)<\/a>) warnt davor, dass die gebietsfremde Baumart aufgrund fehlender Koevolution einer geringeren Anzahl von heimischen Arten \u2013 beispielsweise V\u00f6geln und seltenen heimischen Insekten \u2013 Nahrungsgrundlage und Lebensraum bieten k\u00f6nne als vergleichbare heimische Baumarten. Auch besitze die Douglasie einen geringen Habitatwert. Insbesondere in Douglasienreinbest\u00e4nden sei eine Tendenz zur faunistischen Artenverarmung festzustellen. Zudem sei an bestimmten Standorten zu beobachten, dass die Douglasie aufgrund ihrer h\u00f6heren Konkurrenzkraft (Invasivit\u00e4t) indigene Pflanzen- und auf diese angewiesene Tierarten verdr\u00e4ngt und ganze Lebensgemeinschaften (Bioz\u00f6nosen) ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p><p>In Natura-2000-Gebieten wie dem Wollenberg empfiehlt das BfN \u00fcbrigens, die Douglasie nicht anzubauen und bereits bestehende Douglasienbest\u00e4nde im Rahmen waldbaulicher Eingriffe wieder aufzul\u00f6sen. Doch vor Ort hei\u00dft es: <em>Forstwirtschaft first, Naturschutz second. Ein Umdenken findet nicht statt.<\/em><\/p>\n\n<p>Dass die Douglasie zugleich keine Resistenz gegen\u00fcber dem Borkenk\u00e4fer aufweist, d\u00fcrfte demgengen\u00fcber nicht beruhigen. Der BfN-Bericht stellt dazu lapidar fest: &#8222;Mittlerweile wurden Bruten von zahlreichen rinden- und holzbr\u00fctenden Borkenk\u00e4ferarten an Douglasie gemeldet. Auch zuk\u00fcnftig ist daher damit zu rechnen, dass sich weitere Holzk\u00e4ferarten die Douglasie als Nahrungsressource erschlie\u00dfen werden.&#8220;<\/p><\/p>\n\n\n<p><b>Bild oben:<br \/><\/b>Wuchsh\u00fcllen mit Douglasiensetzlingen (Wollenberg: Ost-S\u00fcd-S\u00fcd-Exposition. Links im Bild: Parkender Forwarder.)<br \/>Quelle: bi-wollenberg.de\/, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CC BY-SA 3.0<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der meistgef\u00fcrchtete St\u00f6renfried des Waldes hat auch im Wollenberg zugeschlagen. 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