{"id":1720,"date":"2024-02-09T12:37:46","date_gmt":"2024-02-09T10:37:46","guid":{"rendered":"https:\/\/bi-wollenberg.org\/?p=1720"},"modified":"2026-03-20T08:37:04","modified_gmt":"2026-03-20T07:37:04","slug":"bechsteinfledermaus-koloniegroessen-im-wollenberg-sind-ruecklaeufig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/2024\/02\/09\/bechsteinfledermaus-koloniegroessen-im-wollenberg-sind-ruecklaeufig\/","title":{"rendered":"Bechsteinfledermaus: Koloniegr\u00f6\u00dfen im Wollenberg sind r\u00fcckl\u00e4ufig"},"content":{"rendered":"\r\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\r\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\r\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis: 100%;\">\r\n<p>Die Best\u00e4nde der nach der Roten Liste stark gef\u00e4hrdeten Bechsteinfledermaus sind zumindest f\u00fcr den \u00f6stlichsten Teil des FFH-Gebiets \u201eLahnh\u00e4nge zwischen Biedenkopf und Marburg\u201c (5017-305) n\u00e4her untersucht. Grund daf\u00fcr ist der Bau der Ortsumgehung M\u00fcnchhausen \u2013 Wetter \u2013 Lahntal, in deren Rahmen die Trassenf\u00fchrung der B 252 neu den Wollenberg im Nordosten streift und das FFH-Gebiet an dessen Ostrand tangiert. Bereits im Vorfeld des Neubaus wurden daher spezielle Schutzma\u00dfnahmen und ein begleitendes Monitoring f\u00fcr die durch das Vorhaben betroffene Art erlassen. Aktuelle Untersuchungszahlen zeigen nun, dass die Koloniegr\u00f6\u00dfen der Bechsteinfledermaus vor Ort zur\u00fcckgegangen sind.<\/p>\r\n<p>Die entsprechenden Datenanalysen stammen aus den Jahren 2020 und 2022 und wurden im Auftrag von Hessen Mobil durch das Marburger Planungsb\u00fcro Simon &amp; Widdig erstellt. Letzteres untersucht schon seit vielen Jahren die Fledermausvorkommen im FFH-Gebiet 5017-305 und verf\u00fcgt \u00fcber die entsprechende Expertise. Im Einzelnen erfasst wurden die Aktionsr\u00e4ume und Jagdhabitate der Kolonien Teichtannen West und Teichtannen Ost per Netzfang und Telemetrie, aber auch deren Bestandsgr\u00f6\u00dfen mit Hilfe von Reusenf\u00e4ngen und Ausflugsz\u00e4hlungen an Quartierb\u00e4umen. Ebenfalls \u00fcberpr\u00fcft wurde die Populationsgr\u00f6\u00dfe der Kolonie Schwedenschanze. Hervorzuheben an den Ergebnissen sind drei Befunde.<\/p>\r\n<p>Erstens: Eigentlich eine typische Waldfledermaus liegen die Jagdgebiete der beiden Teichtannenkolonien der Bechsteinfledermaus vorwiegend im Offenland. Der rechnerisch ermittelte Aktionsraum der Kolonie Teichtannen West beispielsweise betrug im Jahr 2022 insgesamt 442 ha, wovon 66 % nicht bewaldete Fl\u00e4chen bildeten. F\u00fcr die wesentlich kleinere Kolonie Teichtannen Ost lag dieser Wert bei 86 %, wobei der errechnete Aktionsraum lediglich 150 ha umfasste. Obgleich weitr\u00e4umige Fl\u00fcge im Offenland f\u00fcr die Art h\u00f6chst ungew\u00f6hnlich sind, ist dieses Raumnutzungsmuster seit 2016 vorherrschend, ebenso wie eine deutliche Ausweitung der Jagdgebiete insgesamt. Parallel einher geht die benannte Entwicklung mit einer abnehmenden Nutzung von hoch- und sehr hochwertigen Best\u00e4nden in den Waldjagdgebieten.<\/p>\r\n<p>Zweitens: Die Habitatstruktur um die Quartierzentren der beiden Teichtannenkolonien hat sich im Zeitenverlauf durch die Zunahme von Schlagfluren ver\u00e4ndert. Lag der Anteil der Einschlagsfl\u00e4chen im Jahr 2015 noch bei etwa 2 %, so waren es im Jahr 2022 bereits 8 %. Evaluiert in einem Radius von 1.500 m um die Quartierzentren ist demnach eine Vervierfachung des Einschlags von Baumbest\u00e4nden zu verzeichnen. Allein im Bereich Teichtannen West erfolgten F\u00e4llungen von Nadelwaldbestockungen im Umfang von 2,8 ha. Das entsprach 13 % der westlichen unter Prozessschutz gestellten Fl\u00e4chen, einschlie\u00dflich eines explizit ausgewiesenen und gekennzeichneten Habitatbaumes. Sprich: Waldareale, f\u00fcr die zum langfristigen Erhalt der beiden Teichtannenkolonien im Rahmen des Stra\u00dfenbauprojekts ein Nutzungsverzicht (von insgesamt etwa 30 ha) ausgesprochen worden war, wurden gro\u00dffl\u00e4chig der Bek\u00e4mpfung der Borkenk\u00e4ferkalamit\u00e4t geopfert.<\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/bi-wollenberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Tab-Bestand-B.png\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-1566\" src=\"https:\/\/bi-wollenberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Tab-Bestand-B.png\" alt=\"\" \/><\/a><\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Tabelle:<\/strong> Bestandsgr\u00f6\u00dfen der Kolonien Teichtannen und Schwedenschanze.<\/p>\r\n<p>Drittens: Alle drei Wollenbergkolonien der Bechsteinfledermaus sind im R\u00fcckgang begriffen. Der Bestand der Kolonie Schwedenschanze verzeichnete im Vergleich zum Jahr 2009 eine Dezimierung um 13\u201327 %, jener der Kolonie Teichtannen Ost bezogen auf das Jahr 2016, als erstmals eine Aufl\u00f6sung der vormals zusammengeh\u00f6renden Kolonie in zwei eigenst\u00e4ndige Populationen festgestellt wurde, gar eine Verminderung um 50 %. Im Fall der Kolonie Teichtannen West ist der Befund uneinheitlich. Hier reicht das Spektrum von einem R\u00fcckgang in der Bestandsgr\u00f6\u00dfe um 20 % bis zu einem m\u00f6glichen Zuwachs um 15 %. Grund daf\u00fcr ist, dass der zweite Wert in der Bestimmung der Koloniegr\u00f6\u00dfe (16\u201323 geschlechtsreife Weibchen) aus einer rechnerischen Annahme resultiert, somit die Gr\u00f6\u00dfenangabe des Jahres 2022 eine mit dem Referenzwert aus dem Jahr 2016 nicht vergleichbare Unsch\u00e4rfe erf\u00e4hrt.<\/p>\r\n<p>Dennoch kann auch der Bericht auf Basis des Kartierungsjahres 2022 nicht umhin, eine negative Bestandsentwicklung zu konstatieren. Zwar sei, so hei\u00dft es dort, der Negativtrend f\u00fcr die Kolonie Teichtannen West m\u00f6glicherweise gestoppt. Doch seien die Koloniegr\u00f6\u00dfen \u00fcberall im Bereich des Wollenbergs kleiner geworden. Lediglich die Kolonie Teichtannen Ost liege dabei im Beeintr\u00e4chtigungsbereich der Trassenf\u00fchrung. Unklar sei daher, warum auch die beiden weiteren Kolonien im Bestand zur\u00fcckgingen. Ein Zusammenhang zum Klimawandel k\u00f6nne nicht ausgeschlossen werden, sei gleichwohl aufgrund fehlender klimatischer Datengrundlagen auch nicht zu belegen. Um den Lebensraum der Bechsteinfledermaus im Hinblick auf die Nahrungs- und Quartiersituation zu verbessern, wird empfohlen, zumindest die Kahlschlagfluren mit heimischen Laubbaumarten (im Optimum: einheimische Eichen), keinesfalls gebietsfremden Arten aufzuforsten.<\/p>\r\n<p>Tats\u00e4chlich ist die Entwicklung alarmierend. Bezogen auf die Gesamtbest\u00e4nde der beiden Teichtannenkolonien und der Kolonie Schwedenschanze mit 52\u201361 adulten Weibchen im Jahr 2009 und 42\u201353 adulten Weibchen im Jahr 2022 ergibt sich nach den dargelegten Zahlen eine Abnahme im Bestand um 19,2\u201313,1 %. Das entspricht einem Mittelwert von 16,2 % und liegt deutlich \u00fcber dem Schwellenwert, dessen \u00dcberschreiten die Grunddatenerhebung f\u00fcr das FFH-Gebiet dazu angemahnt hatte, den Erhaltungszustand der Art intensiv zu \u00fcberpr\u00fcfen. K\u00fcnftig sollte, so ist den beteiligten Beh\u00f6rden zu empfehlen, der Blick \u00fcber die bekannten Quartierkomplexe hinausreichen und auch Waldareale in Hinsicht auf gravierendere St\u00f6rungen untersucht werden, die bislang au\u00dfen vor blieben. Das gilt sowohl f\u00fcr die drei Wollenbergkolonien Teichtannen West, Techtannen Ost und Schwedenschanze als auch f\u00fcr eine zuletzt entdeckte vierte Kolonie: die Kolonie Wichtelh\u00e4user. Sie konnte bislang nicht genauer erfasst werden, soll aber im Jahr 2025 durch das Marburger Planungsb\u00fcro erstmals n\u00e4her untersucht werden.<\/p>\r\n<p><strong>Hinweis I:<\/strong><br \/>Die im Text genannten Unterlagen umfassen zwei Jahresberichte zum Monitoring der Bechsteinfledermaus 2020 und 2022 inklusive Kartenmaterial. Sie wurden nach dem Hessischen Umweltinformationsgesetz (HUIG) in Verbindung mit dem Hessischen Datenschutz- und Informationsfreiheitsgesetz (HDSIG) beantragt und von Hessen Mobil zugestellt. Dies sind:<\/p>\r\n<ul>\r\n<li>Simon &amp; Widdig 2020: B 252\/62 Ortsumgehung M\u00fcnchhausen \u2013 Wetter \u2013 Lahntal. Jahresbericht 2020: Monitoring \u2013 Bechsteinfledermaus. Auftraggeber: Hessen Mobil \u2013 Stra\u00dfen- und Verkehrsmanagement.<\/li>\r\n<li>Simon &amp; Widdig 2022: B 252\/62 Ortsumgehung M\u00fcnchhausen \u2013 Wetter \u2013 Lahntal. Jahresbericht 2022: Monitoring \u2013 Bechsteinfledermaus. Auftraggeber: Hessen Mobil \u2013 Stra\u00dfen- und Verkehrsmanagement.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p><strong>Hinweis II:<\/strong><br \/>In der <a href=\"https:\/\/natureg.hessen.de\/resources\/recherche\/Schutzgebiete\/GI\/GDE\/5017_305_txt.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grunddatenerhebung f\u00fcr das FFH-Gebiet 5017-305<\/a> aus dem Jahr 2009 wird die Gr\u00f6\u00dfe der (seinerzeit noch unter der generellen Bezeichnung \u201eWollenberg\u201c erfassten) Kolonie Schwedenschanze mit 32 adulten Weibchen ausgewiesen, w\u00e4hrend dieser Referenzwert in den Jahresberichten 2020 und 2022 jeweils mit 30 benannt wird. Der Grund daf\u00fcr ist unklar. M\u00f6glicherweise handelt es sich um einen \u00dcertragungsfehler. Korrigiert auf den Wert 32 addierten sich die Gesamtbest\u00e4nde der Kolonien Teichtannen und Schwedenschanze auf 54\u201363 Weibchen in 2009 und 42\u201353 Weibchen in 2022, mithin erg\u00e4be sich eine Abnahme im Bestand um 22,2\u201315,9 % (Mittelwert: 19,1 %).<\/p>\r\n<p>Ebenfalls wird in der Grunddatenerhebung der Schwellenwert, unter den die Populationszahl der Bechsteinfledermauskolonien nicht absinken sollte, mit 15 % bezeichnet. Werde dieser Wert nach unten \u00fcberschritten, solle der Erhaltungszustand der Art intensiv \u00fcberpr\u00fcft werden, hei\u00dft es dort. In den Jahresberichten 2020 und 2022 hingegen ist die Rede von einem Schwellenwert von 20 %, bei dessen Unterschreitung von einer negativen Bestandsentwicklung auszugehen sei. F\u00fcr die hierin aufscheinende Diskrepanz in der Handhabung von Schwellenwerten findet sich in den genannten Jahresberichten keine Erkl\u00e4rung.<\/p>\r\n<p><strong>Karte oben:<\/strong><br \/>Aktionsr\u00e4ume der beiden Bechsteinfledermauskolonien Teichtannen im Jahr 2022. Quelle: Simon &amp; Widdig 2022. Darstellung: ma\u00dfstabs\u00e4hnlich. (Kartendaten: \u00a9\u00a0<a href=\"https:\/\/openstreetmap.org\/copyright\">OpenStreetMap<\/a>-Mitwirkende,\u00a0<a href=\"http:\/\/viewfinderpanoramas.org\/\">SRTM<\/a>\u00a0| Kartendarstellung: \u00a9\u00a0<a href=\"https:\/\/opentopomap.org\/\">OpenTopoMap<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\">CC-BY-SA<\/a>)<\/p>\r\n<\/div>\r\n<\/div>\r\n<\/div><\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":3,"featured_media":1719,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1720","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog","loop-entry clr"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1720"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1720\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2075,"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1720\/revisions\/2075"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}