{"id":1852,"date":"2024-12-20T17:43:47","date_gmt":"2024-12-20T15:43:47","guid":{"rendered":"https:\/\/bi-wollenberg.org\/?p=1852"},"modified":"2026-03-20T08:37:04","modified_gmt":"2026-03-20T07:37:04","slug":"das-windparkprojekt-treisbacher-hardt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bi-wollenberg.de\/index.php\/2024\/12\/20\/das-windparkprojekt-treisbacher-hardt\/","title":{"rendered":"Das Windparkprojekt Treisbacher Hardt"},"content":{"rendered":"<p>Ende November 2024 hat die Firma Zephyros Energy GmbH &amp; Co. KG ihre Planungen f\u00fcr ein Windparkprojekt im Ausschuss f\u00fcr Bau und Umwelt der Stadtverordnetenversammlung Wetter (Hessen) vorgestellt. Die Disposition des Unternehmens wurde in Form einer Power-Point-Pr\u00e4sentation vorgetragen, \u00e4hnlich wie ein paar Tage zuvor auch bei einer Informationsveranstaltung in Treisbach selbst. Geplant ist demnach die Errichtung von vier Anlagen des Typs Enercon E-175 (Nabenh\u00f6he 175,0 m, Gesamth\u00f6he 262,5 m) im Waldgebiet Treisbacher Hardt.<\/p>\n<p>Zephyros Energy ist ein Joint Venture zwischen dem 20 km n\u00f6rdlich von Frankenberg ans\u00e4ssigen Windkraftprojektierer Burg Lichtenfels GmbH &amp; Co. KG und der Volksbank Mittelhessen. Auff\u00e4llig an der Pr\u00e4sentation war, dass von Seiten Zephyros\u2018 keine Hinweise zum Artenschutz und zur Natura 2000-Vertr\u00e4glichkeit des Windparkprojekts erfolgten. Natura 2000 bezeichnet dabei das EU-weite Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung priorit\u00e4rer Lebensr\u00e4ume und Arten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutzrichtlinie und jenen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.<\/p>\n<p>Die Treisbacher Hardt ist Bestandteil des im Teilregionalplan Energie Mittelhessen ausgewiesenen Vorranggebiets f\u00fcr Windenergie VRG 3102 (Gemarkungen: Engelbach, Niederasphe, Treisbach). Entsprechend liegt das Waldareal ausdr\u00fccklich nicht in einem Natura-2000-Gebiet. Dennoch grenzt das VRG 3102 im Westen an das Europ\u00e4ische Vogelschutzgebiet \u201eHessisches Rothaargebirge\u201c (<a href=\"https:\/\/rpkshe.de\/Natura_2000_VO\/Anlagen1-3-4\/VSG\/4917-401.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VSG 4917-401<\/a>) und im S\u00fcden an das FFH-Gebiet \u201eLahnh\u00e4nge zwischen Biedenkopf und Marburg\u201c (<a href=\"http:\/\/natura2000-verordnung.rp-giessen.de\/Anlagen1-3-4\/FFH\/5017-305.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FFH 5017-305<\/a>), das dort zugleich Bestandteil des Vogelschutzgebietes ist. (Die Grenzverh\u00e4ltnisse und Nahbereiche im Einzelnen sind in obenstehender Kartendarstellung wiedergegeben. Darin aufgenommen finden sich ebenfalls Referenzierungen der im Rahmen der FFH-Grunddatenerhebung per Detektornachweis vor Ort erfassten Fledermausarten des Anhang II und des Anhang IV im nahen Umfeld zu VRG 3102.)<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Durchsetzungsf\u00e4higkeit, aber auch f\u00fcr die H\u00f6he der Planungskosten und die zu erzielenden Ertr\u00e4ge des Vorhabens wird sein, ob dar\u00fcber in einem Genehmigungsverfahren isoliert nach den Pr\u00e4missen des Windenergiefl\u00e4chenbedarfsgesetzes (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/windbg\/__6.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 6 WindBG<\/a>) befunden werden kann. Letzteres trat 2023 in Kraft und erlaubt es, in Nicht-Natura-2000-Gebieten, die bereits als Vorranggebiete f\u00fcr Windenergie ausgewiesen sind, Windkraftanlagen ohne vorherige artenschutzrechtliche Pr\u00fcfungen aufzustellen. Antragstellungen dazu sind bis zum 30. Juni 2025 zeitlich befristet, entsprechende Genehmigungen k\u00f6nnen auch sp\u00e4ter erfolgen.<\/p>\n<p>Jedoch unterliefe ein solches Verfahren ma\u00dfgebende Urteile des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (EuGH) und der deutschen Rechtsprechung zu den Schutzgebietsstatuten von Natura 2000. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere das durch den EuGH h\u00f6chstrichterlich verordnete Verschlechterungsverbot f\u00fcr priorit\u00e4re Lebensr\u00e4ume und Arten \u2013 Verschlechterungen, die durch Pl\u00e4ne und Projekte ebenfalls nicht von au\u00dfen (Einwirkungsverbot) in ein europ\u00e4isches Schutzgebiet hineingetragen werden d\u00fcrfen oder im Zusammentreffen mit Auswirkungen anderer Projekte oder Pl\u00e4ne kumulative Beeintr\u00e4chtigungen (Summationswirkungen) in einem solchen entfalten.<\/p>\n<p>Demzufolge k\u00e4me im Falle der Beantragung auf Genehmigung eines Windparks Treisbacher Hardt die Aufsichtsbeh\u00f6rde nicht umhin, eine Vertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung zur Erhaltung der im FFH-Gebiet 5017-305 wild lebenden Fledermausarten des Anhang II und des Anhang IV aufgrund des Einwirkungsverbots, aber auch von objektiv nicht auszuschlie\u00dfenden Summationswirkungen verpflichtend vorzuschreiben. \u00c4hnliches w\u00fcrde ebenso f\u00fcr den Schwarzstorch gelten, f\u00fcr den ein Bruthorst innerhalb des VSG 4917-401 nahe Treisbach nachgewiesen ist. Zwar wurde der Schwarzstorch im Zuge der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes 2022 nicht unter den Arten gelistet (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bnatschg_2009\/anlage_1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anlage 1 BNatSchG<\/a>), f\u00fcr die ein erh\u00f6htes T\u00f6tungs- und Verletzungsrisiko beim Betrieb von Windkraftanlagen zu pr\u00fcfen ist. Dennoch verpflichtete das Einwirkungsverbot dazu, auch f\u00fcr ihn eine artenschutzrechtliche Pr\u00fcfung durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dass es tats\u00e4chlich dazu kommt, ist ungewiss. Es wird \u2013 nach jetzigem Stand \u2013 ma\u00dfgeblich davon abh\u00e4ngen, ob die Aufsichtsbeh\u00f6rde die Konditionen f\u00fcr den Schutz des Klimas und f\u00fcr den Erhalt der Biodiversit\u00e4t auf Augenh\u00f6he betrachtet. Denn: Klima- und Artenschutz gehen nicht Hand in Hand. Der Verlust von Arten und \u00d6kosystemen z\u00e4hlt inzwischen zu den absehbar gef\u00e4hrlichsten globalen Risiken f\u00fcr die nat\u00fcrliche Umwelt und das menschliche Wohlergehen. Dessen Risiken sind gleichwertig zu den Herausforderungen der weltweiten Klimaproblematik zu behandeln.<\/p>\n<p><strong>Karte oben:<br \/>\n<\/strong>VRG 3102 mit geplanten Windkraftanlagen (WKA) sowie angrenzendes VSG 4917-401 und FFH 5017-305<br \/>\n(Hintergrundkarte: Daten: \u00a9\u00a0<a href=\"https:\/\/openstreetmap.org\/copyright\">OpenStreetMap<\/a>-Mitwirkende,\u00a0<a href=\"http:\/\/viewfinderpanoramas.org\/\">SRTM<\/a>\u00a0| Darstellung: \u00a9\u00a0<a href=\"https:\/\/opentopomap.org\/\">OpenTopoMap<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\">CC-BY-SA<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende November 2024 hat die Firma Zephyros Energy GmbH &amp; Co. 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